Zwischen Enge und Aufbruch

Junge Menschen im Heiligen Land suchen ihren Weg

Wer im Westjordanland in diesen Monaten unterwegs ist, spürt die Schwere sofort. Straßenkontrollen, geschlossene Wege, nervöse Blicke. Viele Familien kämpfen mit sinkenden Einkommen, neuen Beschränkungen und der Frage, wie sie die nächsten Monate überstehen sollen. Für junge Menschen bedeutet das vor allem eines: Die Zukunft rückt in weite Ferne.

Auch an den Universitäten, etwa an der Pflege-Fakultät in Qubeibeh, zeigt sich diese Realität. Die Zahl der Erstsemester ist deutlich gesunken. Studierende berichten von einem Alltag zwischen Online-Unterricht, abgesagten Praxistagen und wachsendem finanziellem Druck. Manche verschieben ihren Abschluss. Andere wechseln in kürzere Berufsausbildungen, weil sie die Studiengebühren nicht mehr zahlen können.

Doch wer mit ihnen spricht, hört auch anderes. Trotz aller Unsicherheit bleibt der Wunsch, ein eigenes Leben aufzubauen. Viele träumen von einem Beruf, der sie erfüllt und ihrem Leben Halt gibt. Manche wollen ihre Familien unterstützen. Andere hoffen auf Arbeit im Ausland. Bildung bleibt ihr Anker, auch wenn er brüchiger geworden ist.

Studierende an der Pflege-Fakultät in Beit Emmaus

Ein Alltag zwischen Blockaden und Entschlossenheit

Junge Menschen im Westjordanland wachsen in einem Umfeld auf, das kaum Stabilität bietet. Praktika in Jerusalemer Krankenhäusern sind nicht mehr möglich. Auf einen Praktikumsplatz in einer Klinik der palästinensischen Gebiete bewerben sich derzeit mehrere Studierende gleichzeitig.

Trotzdem kommen sie. Sie lernen weiter. Sie halten an ihren Träumen fest, auch wenn die Bedingungen hart sind. Viele helfen in der Familie, kümmern sich um Geschwister oder arbeiten nebenbei. Einige nehmen Kredite auf. Andere bitten um Unterstützung. Es ist eine Generation, die wenig entscheiden kann, aber früh große Verantwortung trägt.

Wer einige Stunden weiter nach Norden fährt, nach Nazareth auf israelisches Staatsgebiet, trifft auf eine andere Realität. Die Schülerinnen und Schüler der Salvatorschule können sich freier bewegen, leben und lernen. Und doch spüren auch sie eine tiefe Verunsicherung.

Viele fragen sich, welche Rolle sie künftig in einer politisch gespaltenen Gesellschaft spielen werden. Eine Gesellschaft, die von Misstrauen geprägt ist und in der arabische Israelis oft zwischen allen Fronten stehen. Sie wollen dazugehören, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.

Männliche Studenten an der Pflege-Fakultät in Beit Emmaus in einem Übungszimmer

Aufbruch und Zukunft – trotz allem

Die jungen Menschen im Heiligen Land teilen ähnliche Hoffnungen: Frieden, Bildung, Chancen. In Qubeibeh kämpfen sie darum, eine Ausbildung zu beginnen. In Nazareth ringen sie um ihren Platz in der Gesellschaft.

Beide Gruppen brauchen Menschen, die ihnen den Rücken stärken. Menschen, die sagen: Wir sehen euch. Ohne diesen Rückhalt droht eine Generation ihren Mut zu verlieren. Und doch zeigt sich etwas anderes. Wer ihnen zuhört, wer ihre Entschlossenheit erlebt, erkennt, wie viel Aufbruch und Zukunft in ihnen steckt. Sie wollen bauen, gestalten, beitragen.

Das macht Hoffnung. Und diese Hoffnung verdient Unterstützung.

Studierende sitzen im Unterrichtsraum

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