
Gemeinsam wächst Hilfe
Damit Hilfe und Unterstützung direkt zu den Menschen kommt, die darauf angewiesen sind, arbeiten die Salvatorianerinnen immer wieder mit Pfarrgemeinden, christlichen Gemeinschaften und lokalen Initiativen zusammen. Die Schwestern stellen ihre Arbeit in den Dienst dieser Netzwerke der Hilfe, die Netzwerk der Frohen Botschaft sind.
Wir sind in der Manica-Provinz im Landesinneren von Mosambik. Die Hitze liegt schwer über dem Dorfplatz, an dem Schwester Maria Irena nach einer zweieinhalbstündigen Fahrt aus dem Auto steigt. Unter einem großen Mangobaum sitzen Frauen mit Babys auf dem Rücken, ältere Männer, Kinder.
Manche sind zu Fuß gekommen, andere mit dem Fahrrad über holprige Wege. Schwester Maria Irena stellt ihre Tasche ab. Darin sind kleine Flaschen mit Sirup, getrocknete Kräuter, Samen für Heilpflanzen. Neben ihr liegt ein Bündel frischer Zweige.
„Lasst uns mit einem Gebet beginnen“, lädt Schwester Maria Irena ein. Das ist ihr wichtig. Denn wenn sie gleich über die Heilkraft von Pflanzen spricht, ist ihr die Verbindung zum Glauben sehr wichtig. Heilkräuter sind für sie ein Geschenk. „Es erinnert uns daran, respektvoll und wertschätzend mit der Schöpfung umzugehen. Gleichzeitig nehmen uns Heilkräuter die Sorge um Krankheiten und stärken die Freude am Leben“. Schwester Maria Irena lebt eigentlich im 45 Kilometer entfernten Messica, wo die Salvatorianerinnen ein Zentrum für Naturheilmedizin unterhalten. Heute ist sie zur Sprechstunde in die Pfarrei St. Paulus gefahren.

Eine Mutter fragt nach Hilfe gegen die andauernden Magenbeschwerden ihres Kindes. Ein Mann berichtet von hohem Blutdruck. Eine ältere Frau klagt über Schmerzen in den Gelenken. Schwester Maria Irena erklärt geduldig, welche Pflanze helfen kann, wie lange eine Tinktur oder Salbe aufgetragen werden muss. Fast fünf Stunden dauert dieses Treffen. Am Ende hat jede und jeder eine persönliche Beratung erhalten. Für viele ist es die einzige medizinische Hilfe, die sie erreichen können.
Doch an diesem Nachmittag geht es um mehr als Heilpflanzen. Wer genauer hinsieht, erkennt das Entscheidende: Die Schwestern kommen nicht als Einzelkämpferinnen, sondern sind Teil der Pfarrgemeinde vor Ort. Die Verantwortlichen der Gemeinde haben die Schwestern eingeladen, weil sie eng mit ihnen verbunden sind. Die Menschen kennen einander, sie vertrauen einander – und so entsteht ein Raum, in dem Hilfe möglich wird.
Die Sprechstunden sind nur ein Beispiel für die vielfältige Zusammenarbeit der Salvatorianer innen mit Pfarreien und lokalen Gemeinschaften in Mosambik. In Kooperation kümmern sich die Schwestern um Brunnen, sanitäre Anlagen und Familiengärten. Oftmals ist die Beratung zu Heilpflanzen der Ausgangspunkt für diese segensreichen Projekte. Aus einer einfachen Begegnung unter einem Baum wächst ein solches Netzwerk der Hilfe.

Samba-Rhythmen als Alternative
Tausende Kilometer entfernt, in einem Armenviertel der brasilianischen Stadt Lages, hat Hilfe einen etwas lauteren Klang. Aus einem kleinen Pfarrsaal dringen Trommelrhythmen und Gesang. Kinder stehen im Kreis, sie spielen die kleine Tamborim- oder Pandeiro-Trommel. Einige schultern die große Surdo-Basstrommel. Es sind die klassischen Instrumente für den in Brasilien kulturell tief verwurzelten Samba.
Nach der Schule kommen hier Kinder und Jugendliche zusammen, die oft unter schwierigen Bedingungen leben und ein auffälliges Verhalten zeigen. Ziel der Schwestern ist es, ihnen eine Alternative aufzuzeigen. Kaum eines dieser Kinder lebt bei seinen Eltern. Vereinzelt kümmern sich Großeltern und Verwandte, viele Kinder sind aber auch ganz allein. Ihr Alltag ist geprägt von Gewalt, Drogen und Kriminalität. Doch in der örtlichen Pfarrei finden sie Zuflucht und Schutz.
Das Projekt Samba Raíz zeigt Wirkung: Lehrer berichten, dass die Kinder konzentrierter lernen und dass sie überhaupt wieder zur Schule kommen. Auch zu Hause sind sie ruhiger und ausgeglichener. Der Fortschritt, der Erfolg und die Anerkennung, die sie durch das Trommeln erleben, tun ihnen gut. Wenn in der Pfarrgemeinde ein Fest gefeiert wird, ist Samba Raíz ein fester Bestandteil. „In ihren Gesichtern sieht man ihren Stolz“, sagt Schwester Wanderleia. „Sie merken: Wir gehören dazu.“

Lesen lernen und fürs Leben stärken
Um Teilhabe geht es auch bei den Salvatorianerinnen auf den Philippinen. In Manila sitzen Kinder in einem einfachen Gemeindesaal im Kreis auf dem Boden. Sie halten Bücher in ihren Händen. „Wer möchte heute anfangen?“, fragt Schwester Ruth und lächelt. Ein Junge hebt vorsichtig die Hand und liest stockend die ersten Sätze. Die anderen hören aufmerksam zu. Wenn ein Wort schwerfällt, hilft die Gruppe. Danach sprechen sie über die Geschichte. Was hat der Held gefühlt? Warum war Mut wichtig? Und wo erleben wir selbst Angst?
Was hier geschieht, wirkt unscheinbar. Doch für die Kinder aus den Slums Manilas ist es ein besonderer Raum. Ein Ort, an dem sie ernst genommen werden. Ein Ort, an dem sie durch Lesen lernen, neues Wissen zu erlangen und ihre Gedanken dazu auszusprechen. Seit über zwanzig Jahren arbeiten die Salvatorianerinnen auf den Philippinen mit Pfarreien zusammen, um genau solche Räume zu schaffen. Das Leseprojekt ist nur ein Beispiel. Gemeinsam mit geschulten Fachkräften leiten sie Bildungsprogramme und bilden Kinderrechtsanwälte aus. Sie tun alles, um Kinder willkommen zu heißen und sie vor Missbrauch und Verwahrlosung in den Slums zu schützen.
Ob unter einem Mangobaum in Mosambik, in einem Pfarrsaal in Brasilien oder beim Lesen mit Kindern auf den Philippinen – es sind mitunter die kleinen Initiativen und Projekte, mit denen die Schwestern die Menschen erreichen. Und aus diesen Begegnungen entsteht etwas Größeres: eine Verbindung von Menschen, die einander tragen und die Lebensperspektiven ermöglichen – weit über den einzelnen Tag hinaus.
Über die Pfarreien erreichen wir noch mehr Menschen in Not – auch außerhalb unseres direkten Umfelds.
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