Hilfe für Jugendliche in Albanien

Wie Salvatorianerinnen in Albanien jungen Menschen helfen, ihre Wunden zu heilen

Albanien ist jung. Das Durchschnittsalter liegt unter 35 Jahren. Auf den Straßen der Städte spürt man Energie, Neugier, Aufbruch. Doch hinter vielen lächelnden Gesichtern verbergen sich Einsamkeit, Angst und innere Wunden. Darüber spricht kaum jemand.

Denn psychische Not ist in Albanien ein Tabu. Wer leidet, gilt schnell als schwach oder seltsam. Wer Hilfe sucht, fürchtet, abgestempelt zu werden. Also ziehen sich viele junge Menschen zurück. Sie leiden still. Oft kennt das System nur zwei Wege: Schweigen – oder rasch ein Medikament. Beides lindert vielleicht die Symptome. Heilen tut es selten.

Die Salvatorianerinnen in Albanien kennen dieses Leid. Deshalb haben sie im Norden Albaniens einen neuen Ort geschaffen: das spirituell-psychologische Zentrum Salvator Mundi, das im Herbst 2025 seine Arbeit aufgenommen hat.

Ein Mädchen, das nicht mehr vor die Tür konnte

Warum es diesen Ort braucht, zeigt eine Geschichte von Sr. Silva Jaku. Als es das Zentrum noch nicht gab, wurde die Begleitung bei seelischen Problemen oft viel zu früh abgebrochen. Sr. Silva berichtet von einem Mädchen, dass unter starken Angstzuständen litt. So stark, dass sie kaum laufen konnte. Nach mehreren Gesprächen fasste sie langsam wieder Mut. Schritt für Schritt gewann sie Vertrauen zurück.

Doch nach einem Monat sagten die Eltern: Es reicht. Sr. Silva erklärte, die Heilung sei noch nicht abgeschlossen. Die Eltern blieben bei ihrem Nein. Kurz darauf verlor das Mädchen den Halt. Sie verletzte sich und kam ins Krankenhaus. Erst danach kehrten die Eltern zurück – und baten, ihre Tochter „so lange wie nötig“ weiter zu begleiten.

„Viele innere Wunden heilen nicht schnell“, sagt Sr. Silva. Sie brauchen Zeit, Geduld und eine Gemeinschaft, die bleibt.

Zuhören, ohne zu urteilen

Genau das bietet Salvator Mundi. Das Zentrum verbindet, was sonst getrennt bleibt: psychologische, soziale und seelsorgliche Begleitung. Persönliche Gespräche, Gebet und Gemeinschaft greifen ineinander.

„Wahre Heilung betrifft nicht nur den Verstand“, erklärt Sr. Silva. „Sie betrifft das Herz, die Beziehungen und das geistliche Leben eines Menschen.“

Das Haus liegt in einer ruhigen Gegend, umgeben von Natur, fern vom Lärm. Diese Stille ist kein Zufall. Sie gehört zum Angebot. Viele junge Menschen nennen den Ort „sicher“. Für manche ist es das erste Mal, dass ihnen jemand geduldig zuhört – ohne Urteil, ohne Etikett. Ein Ort, an dem sie ihre Würde und ihren Wert wiederfinden.

Gemeinsam einen langen Weg gehen

Die Schwestern verstehen Begleitung wörtlich: Sie gehen mit. Nicht nur eine Gesprächsstunde lang, sondern über Wochen und Monate. Dabei binden sie junge Menschen in das Leben des Zentrums ein – in Freiwilligendienste und gemeinsame Aktivitäten. Wer merkt, dass er gebraucht wird, wächst. Wer anderen helfen kann, findet Selbstvertrauen zurück. Langsam, aber spürbar.

Das Zentrum ist noch jung. Doch Tag für Tag verändert sich etwas. Junge Menschen finden innere Ruhe, bessere Beziehungen, neue Lebensfreude. Und Hoffnung.

„Viele innere Wunden heilen nicht schnell“
Sr. Silvia Jaku

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