Damit aus Überleben Leben wird

Salvatorianerinnen in Brasilien: das Ausbildungszentrum St. Antonio in Curitiba

Raphaela ist 14. Sie backt das Brot zuhause. Das klingt nach wenig, doch es ist eine Menge. Raphaela ist in einem Viertel am Stadtrand von Curitiba aufgewachsen, in dem das Leben auf der Straße beginnt und oft dort endet. Banden, Drogen, Gewalt – die Kulisse ihrer Kindheit. Ihre Mutter schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Der Stiefvater ist krank. Wenn die Mutter arbeiten geht, war die Frage lange: Wo sind die Kinder? Was tun sie? Was passiert mit ihnen?

Dank der Salvatorianerinnen hat ihre Mutter eine Antwort. Raphaela und ihr Bruder sind im Zentrum St. Antonio. Ein Ort, an dem Menschen einen Beruf oder Fähigkeiten erlernen, die keinen Zugang zu Ausbildungseinrichtungen haben, weil sie unter erdrückenden Lebensumständen leiden.

Curitiba hat zwei Millionen Einwohner. Am Stadtrand, dort wo der Wohlstand endet, liegt das Zentrum St. Antonio der Salvatorianerinnen. Die meisten Menschen in dieser Gegend haben weniger als 100 Euro im Monat. Feste Arbeit ist selten, Perspektiven sind rar. Das Zentrum ist in diesem Umfeld ein Ort, der auffällt – nicht wegen seiner Größe, sondern wegen dem, was er ausstrahlt. Sr. Clicéria, die die Arbeit dort leitet, sagt es so: „Es geht um ihre und um unsere Zukunft.“

Die Schwestern setzen auf Bildung und Ausbildung. Kinder und Jugendliche, die sonst auf der Straße wären, finden eine offene Tür. Sie lernen – handwerklich, beruflich, menschlich. Und sie erfahren etwas, das im Alltag ihrer Familien oft fehlt: dass es nicht nur bergab geht. Dass sie ihr Leben selbst gestalten können.

Was im Zentrum vermittelt wird, ist konkret: PC-Kurse, Schneidern, Kochen, Konfliktlösung. Seit einiger Zeit gibt es eine Ausbildung zum Bäcker und zur Bäckerin. 96 Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren lernen dort, mit Mehl, Teig und Hitze umzugehen – und dabei weit mehr als ein Handwerk. Auch Raphaela überlegt, dort weiterzumachen, wenn sie alt genug ist.

„In Brasilien sind Berufe in der Lebensmittelversorgung wichtig“, erklärt Sr. Clicéria. „Gleichzeitig zeigen wir den jungen Menschen, dass sie mit ihrer Arbeit Verantwortung für andere übernehmen können.“ Manche ihrer Schüler haben ihr schon erzählt, dass sie später nicht in den großen Stadtbäckereien arbeiten wollen. Sie wollen in der Nähe bleiben – bei ihren Familien, in ihrem Viertel. Dort wollen sie wachsen, und mit ihnen soll eine bessere Zukunft für alle aufgebaut werden. Sie wollen das, was sie im Zentrum St. Antonio erleben, weitergeben.

Für Sr. Clicéria markiert das einen Wendepunkt im Leben der jungen Menschen. Wenn sie lernen, dass ihr Leben sich verändern lässt, tragen sie diese Erfahrung weiter in ihre Familien, in ihre Viertel. Raphaela hat das bereits erlebt. Sie besucht Kurse, sie backt zuhause, sie ist stolz auf das, was sie kann. Ihre Mutter schläft ruhiger. Nicht weil alle Probleme gelöst sind. Sondern weil ihre Kinder einen Ort haben, der hält. Das ist das Ziel der Salvatorianerinnen in St. Antonio: Weichenstellungen fürs Leben und echte Veränderungen im Leben: Schritt für Schritt. Kurs für Kurs. Kind für Kind.

„Es geht um ihre und um unsere Zukunft.“
Sr. Clicéria

Spenden Sie jetzt

Weitere Beiträge

1608, 2026

Hilferuf aus Kolumbien

Nach dem schwersten Erdbeben Kolumbiens in diesem Jahrhundert leisten unsere Salvatorianerinnen Nothilfe. Wir bitten um Ihre Unterstützung.

204, 2026

Wir wissen nicht, was wir erwarten sollen

Awni Bathish ist Schulleiter der Salvatorschule in Nazareth. Gemeinsam mit den Lehrkräften und den Salvatorianerinnen hält er auch in diesen schwierigen Zeiten den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern aufrecht.

2026-10-11T22:57:39+02:00
Nach oben