Hilfe in
der Not
Soforthilfe für die Erdbebenopfer in Kolumbien
„Wenn die Kirche nicht da ist, ist oft niemand da.“
Zwei Minuten lang schwankte am 10. August der Boden. Danach lagen im Westen Kolumbiens Schulen, Krankenhäuser und ganze Wohnblocks in Trümmern. Die Behörden zählten bis zum 13. August mehr als 280 Tote, über 2.500 Verletzte, Hunderte Vermisste. Über 10.000 Menschen haben kein Dach mehr über dem Kopf. Sie campieren auf Straßen und Plätzen.
Am härtesten trifft es die Region, die schon vorher am wenigsten hatte: Das Department Chocó an der Pazifikküste. Dort liegt das Epizentrum. Dort haben unsere Salvatorianerinnen seit Jahrzehnten ihren Platz.
Nach dem Erdbeben ist die Lage dramatisch: Gebraucht werden Lebensmittel, Trinkwasser, Matratzen, Medikamente. Und Beistand, Trost und Akuthilfe für die Seele.

„Möge der Wiederaufbau eine Chance sein“
Liebe Schwestern, liebe Freundinnen und Freunde,
am 10. August hat ein Erdbeben der Stärke 7,4 unser Land getroffen. Das Epizentrum lag in San José del Palmar im Chocó – in der Region, in der wir seit vielen Jahren leben und arbeiten. Auch Quibdó, Cali und Buenaventura wurden schwer getroffen.
Uns ist nichts geschehen. Unsere Häuser in Cali und Quibdó haben Schäden, doch keine Schwester wurde verletzt. Wir sind dankbar. Und wir sind erschüttert. Denn wir sehen die Toten, die Verletzten, die Kinder, die ihre Eltern suchen. Wir sehen Familien, die das Wenige verloren haben, das sie besaßen. Viele Menschen tragen jetzt eine große Angst in sich und ein Gefühl, schutzlos zu sein.
Es hilft nicht, das auszuhalten und zu schweigen. Unsere Aufgabe ist jetzt, hinauszugehen. Zu den Menschen, die unsere Nähe brauchen. Wir bringen Wasser und Essen. Wir setzen uns zu den Trauernden. Wir schaffen Orte, an denen Kinder wieder Kind sein dürfen. Wir arbeiten dabei eng mit den Pfarreien und Diözesen zusammen – für viele sind sie die erste Anlaufstelle, wenn sie Schutz suchen.
Wir wissen aus Erfahrung: Wenn eine Katastrophe eine Region trifft, die seit jeher übersehen wird, kommt die Hilfe oft zu spät, zu wenig oder bruchstückhaft. Deshalb bitten wir den Staat, unsere Gesellschaft, die Kirchen und die internationale Gemeinschaft, nicht nur auf die sichtbare Not zu schauen. Schauen Sie auch auf das, was diese Not so groß macht: die jahrzehntelange Ausgrenzung unserer Region.
Das Erdbeben hat die Verwundbarkeit unserer Region nicht geschaffen. Es hat sie sichtbar gemacht.
Möge die Not die Ausgrenzung nicht noch vertiefen. Möge der Wiederaufbau eine Chance sein – für Würde, für Gerechtigkeit, für Frieden.
Dankbar für jede Hilfe und im Gebet verbunden
Sr. Gladys Marina Cañas Prato SDS Provinzleiterin, Bogotá
Das Department Chocó ist eigentlich eine gesegnete Region: Es gibt Regenwald, Gold und Flüssen. Doch die damit verbundenen Möglichkeiten kommen den meisten Menschen nicht zu gute. Die Region ist arm. Viele Familien leben ohne sauberes Wasser, ohne verlässlichen Strom, ohne Arzt in der Nähe. Bewaffnete Gruppen kontrollieren ganze Landstriche und rekrutieren Jugendliche. Die Bevölkerung ist überwiegend afrokolumbianisch und indigen – und wird seit Generationen übersehen.
Viele Ordensgemeinschaften mussten die ländlichen Regionen wegen der Gewalt verlassen. Die kolumbianische Provinz der Salvatorianerinnen hält dagegen. Drei Schwestern leben mitten in Chocó. In Cali und Quibdó begleiten weitere Schwestern Familien, Schulen und vor allem Mütter mit kleinen Kindern – unsere Mutter-Kind-Projekte sind ein Schwerpunkt unserer Arbeit.
Sie bleiben, weil sie oft die Letzten sind, denen die Menschen noch vertrauen. Vor Ort sagt man: Ist die Kirche nicht da, ist sonst niemand da.
Diese Erfahrung prägt auch ihren Blick auf das Beben. Wo Menschen seit Jahrzehnten am Rand stehen, kommt Hilfe zu spät, zu wenig und in Bruchstücken. Cali bekam Rettungsteams, Buenaventura und Quibdó warteten. Das Beben hat die Verwundbarkeit dieser Region nicht geschaffen. Es hat sie sichtbar gemacht.
Deshalb hört die Arbeit der Schwestern nicht auf, wenn die Kameras abziehen. Sie waren vorher da. Sie sind jetzt da. Sie bleiben.

Sauberes Wasser – die Leitungen sind zerstört. Hygiene-Sets: Seife, Zahnbürste, Binden. Windeln für die Kleinsten.

Lebensmittelpakete für Familien, die auf der Straße schlafen.
Matratzen und Decken statt nackter Asphalt. Planen und Zelte für die Regennächte.

Begleitung von Familien, die ihre Angehörigen begraben müssen.


Sichere Räume zum Spielen, Malen, Lachen. Ein Ort zum Lernen, solange die Schulen Ruinen sind.

Psychosoziale Hilfe und Notfallseelsorge.
Alles unter Trümmern
Kleidung, Betten, Fotos, Papiere – der ganze Besitz vieler Familien liegt unter Beton. Fast alle Schulen der Region sind beschädigt, landesweit fast 800. Fünf Krankenhäuser, Kinderheime, ein Seniorenheim, Brücken, Anlegestellen und Straßen wurden zerstört. Selbst als Notunterkunft taugen diese Gebäude nicht mehr. Kinder haben keinen Ort zum Lernen, Kranke keinen Ort zum Gesundwerden.
Nach San José del Palmar, direkt am Epizentrum, führt nur eine Straße. 24 Erdrutsche haben sie blockiert. Tagelang war der Ort von der Außenwelt abgeschnitten. In Buenaventura suchten Bewohner mit bloßen Händen nach Verschütteten, weil staatliche Retter zunächst ausblieben.
Unsere Schwestern sind nicht direkt betroffen – und helfen in der Nachbarschaft
Sie haben Glück gehabt. In Cali und Quibdó sind Gebäude beschädigt, verletzt wurde keine Schwester. Doch die Erleichterung wiegt leicht gegen das, was sie täglich sehen. Provinzleiterin Sr. Gladys Marina Cañas Prato schreibt von einem Gefühl der Ohnmacht: die vielen Toten, die Verletzten, die Kinder ohne Zuhause.
Also gehen die Schwestern hinaus. Sie tragen Wasser und Lebensmittel in die Viertel. Sie setzen sich zu Menschen, die niemanden mehr haben. Sie halten Angst und Trauer mit aus. „Unsere Aufgabe ist jetzt, hinauszugehen und den Schmerz unzähliger Menschen zu lindern“, schreibt Sr. Gladys. Genau das tun sie – seit dem ersten Tag, ohne Pause.
Die Salvatorianerinnen in Kolumbien
Der Chocó ist reich an Regenwald, Gold und Flüssen. Und er ist arm. Viele Familien leben ohne sauberes Wasser, ohne verlässlichen Strom, ohne Arzt in der Nähe. Bewaffnete Gruppen kontrollieren ganze Landstriche und rekrutieren Jugendliche. Die Bevölkerung ist überwiegend afrokolumbianisch und indigen – und wird seit Generationen übersehen.
Viele Ordensgemeinschaften mussten die ländlichen Regionen wegen der Gewalt verlassen. Die kolumbianische Provinz der Salvatorianerinnen hält dagegen. Drei Schwestern leben mitten im Chocó. In Cali, Quibdó und Buenaventura begleiten weitere Schwestern Familien, Schulen und vor allem Mütter mit kleinen Kindern – ein Schwerpunkt unserer Mutter-Kind-Projekte.
Sie bleiben, weil sie oft die Letzten sind, denen die Menschen noch vertrauen. Vor Ort sagt man: Ist die Kirche nicht da, ist sonst niemand da.
Diese Erfahrung prägt auch ihren Blick auf das Beben. Wo Menschen seit Jahrzehnten am Rand stehen, kommt Hilfe zu spät, zu wenig und in Bruchstücken. Cali bekam Rettungsteams, Buenaventura und Quibdó warteten. Das Beben hat die Verwundbarkeit dieser Region nicht geschaffen. Es hat sie sichtbar gemacht.
Deshalb hört die Arbeit der Schwestern nicht auf, wenn die Kameras abziehen.
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